Annäherung durch Konflikt: Mittler und Vermittlung  
   
Herausgegeben von Nicole Colin, Patrick Farges und Fritz Taubert  

(AMSTERDAM GERMAN STUDIES)
2017, 362 Seiten
12 Abbildungen
Klappenbroschur
€ 39,80 [D]
ISBN 978-3-939381-91-4

 

Die Figur des ›Mittlers‹ rückt in der Transferforschung in neuerer Zeit zunehmend ins Zentrum des Interesses: Zivilgesellschaftliche Akteure, die mit ihrem Engagement in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg zum transkulturellen Austausch und damit letztlich auch zur europäischen Integration beigetragen haben, sind in Form eines modernen ›Versöhnungsnarrativs‹ regelrecht zu ›Helden‹ avanciert. Konflikten und Missverständnissen, die letztlich auch Teil aller noch so geglückten Transferleistungen sind, wird hingegen kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Dies mündet letztlich in die einseitige Vorstellung, dass funktionierende interkulturelle Beziehungen grundsätzlich auf Harmonie basieren. Ausgehend von dieser Beobachtung nehmen die Beiträge des vorliegenden Bandes das Phänomen des kulturellen Mittlers in literaturwissenschaftlicher, historischer, linguistischer und ideengeschichtlicher Perspektive in den Blick, und zwar sowohl in seinen konkreten Erscheinungsformen als auch in theoretisch-methodischer Reflexion. Um die eindimensionale Vorstellung eines auf Verständnis und Sympathie basierenden Kulturtransfers zu konterkarieren, erfahren hierbei auch die konfliktreichen Aspekte des Transfers Berücksichtigung, insbesondere negative und asymmetrische Austauschbeziehungen sowie Missverständnisse und Krisen in den durchaus schwierigen Zeiten des 20. Jahrhunderts.

Nicole Colin ist Professorin für Kulturwissenschaft in der Germanistik der Université Aix-Marseille und Honorarprofessorin an der Universiteit van Amsterdam. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Kulturtransfertheorie, Erinnerungsdiskurse, Literatur- und Theatersoziologie sowie Artistic Research. Zuletzt hat sie gemeinsam mit Corine Defrance, Ulrich Pfeil und Joachim Umlauf den Band »Le Mur de Berlin. Histoire, mémoires, représentations« herausgegeben.

Patrick Farges ist Assistant Professor für Deutsche Geschichte und Kulturwissenschaft an der Universität Sorbonne Nouvelle (Paris). Seine Forschungsinteressen liegen in den Bereichen Migrationsgeschichte, Exilforschung und Gender Studies. Er veröffentlichte u.a. eine Studie über die Akkulturation deutschsprachiger Exilanten in Kanada. Seine Habilitationsschrift befasst sich mit einer Männlichkeitsgeschichte der deutschsprachigen Juden (Jeckes) in Israel.

Fritz Taubert ist Professor für Deutsche Geschichte und Kulturwissenschaft an der Université de Bourgogne (Dijon). Er hat u.a. zum Verhalten der französischen Linken zu Hitler-Deutschland, zur Kollaboration und deren Aufarbeitung sowie zum Eingreifen kommunistischer Staaten in den Algerienkrieg publiziert. Aktuell beschäftigt er sich mit der Frage des Eides vom 18. bis ins 20. Jahrhundert.

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